„BW schützt“ in Flüchtlingsunterkünften im Landkreis Freudenstadt

Seit Jahresbeginn 2025 wird in den Flüchtlingsunterkünften des Landkreises Freudenstadt „BW schützt“ umgesetzt. Ziel des Projektes ist, Traumata bei erwachsenen geflüchteten Menschen frühzeitig zu erkennen und kultursensible Angebote zu machen. Die Erfahrungen der letzten Jahre bestätigen eine hohe Anzahl Geflüchteter, die vor, während und nach der Flucht massive Belastungen und Traumatisierungen erfahren haben und in der Folge unter Gesundheitsproblemen und eingeschränkter Funktionstüchtigkeit im Alltag leiden. Dies belastet die Betreuung und Integration der Geflüchteten erheblich und verlangt nicht nur nach effizienter Traumarehabilitation nach Flucht und Gewalt bei in Baden-Württemberg lebenden Geflüchteten, sondern auch präventive Maßnahmen, um die Entwicklung beeinträchtigender psychischer Störungen bei Geflüchteten zu verhindern.

Die Geflüchteten werden in ihrer Muttersprache von Gesundheitspaten psychologisch untersucht. Die Untersuchungsergebnisse werden in einem Ampelsystem erfasst. Ein grünes Ergebnis bedeutet, dass keine Traumatisierung vorliegt. Bei einem orangenen Ergebnis liegen Beeinträchtigungen der Psyche vor, bei einem roten Ergebnis ist eine therapeutische Behandlung notwendig.

Wenn ein orangener Grad an Traumatisierung erkannt wurde, dann wird den Menschen im Rahmen von „BW schützt“ niedrigschwellige Hilfestellung in der Muttersprache angeboten. Die Gesundheitspaten haben selbst Fluchterfahrung. Sie bieten den orange gescreenten Geflüchteten erzählende Biografiearbeit an. Hierbei werden die traumatisierenden Erfahrungen gemeinsam reflektiert und ihnen ein Platz in der Biografie eingeräumt. Die Traumatisierung hat stattgefunden und kann nicht rückgängig gemacht werden. Aber es kann ein Umgang mit ihr gefunden werden. Durch diese Biografiearbeit werden die Ressourcen der Menschen aktiviert und die Personen psychisch stabilisiert.

Das Angebot von „BW schützt“ reduziert das Risiko für selbst- und fremdgefährdendes Verhalten. Darüber hinaus wird das ambulante und stationäre Gesundheitssystem entlastet, weil psychische Belastungen frühzeitig erkannt werden und kultursensibel darauf reagiert wird.

Die Sozialbetreuerinnen vor Ort berichten voller Begeisterung:
Die drei Gesundheitspaten haben sich wieder mal sehr wohl gefühlt bei uns, zum Schluss konnten wir noch ein tolles Abschlussgespräch führen. Die ‚Charaktere‘ passen super zu den unterschiedlichen Geflüchteten. Die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft haben sich schon sehr gefreut und es hat sich mal wieder rasend schnell verbreitet, dass das Gesundheitsteam da ist. Auch für den nächsten Besuch haben wir wieder einige Bewohner, die freiwillig an dem Screening teilnehmen möchten. Die Bewohner, die bereits ihr Screening hatten, kommen völlig entspannt aus den Gesprächen raus und fragen sofort nach dem nächsten. Es ist wirklich ein tolles Angebot, welches unseren Geflüchteten gut tut. --Balsam für die Seele--. Interessant ist auch zu sehen, wie der erste Kontakt zwischen Klient und Gesundheitspate ist. Man hat das Gefühl, das Eis bricht sofort und alle freuen sich riesig, einfach mal ein Gespräch in ihrer Muttersprache führen zu dürfen und verstanden zu werden, ganz ohne Übersetzungsfehler irgendwelcher Handy Apps.“

Julian Aleker, Amtsleiter Amt für Migration und Flüchtlinge:
Ich freue mich, dass wir als weiterer Pilotlandkreis zur Entlastung des Regelsystems mit ‚BW schützt‘ beitragen können – zumal dem Landkreis keine Kosten entstehen. Geflüchtete Menschen haben einen besonderen medizinischen Bedarf, der neben der kultursensiblen Herangehensweise auch entsprechende Sprachkompetenzen erfordert. Mit der Schulung von selbst geflüchteten Menschen wird das System entlastet, werden die Kompetenzen der Menschen genutzt und tiefgehende Begegnungsmöglichkeiten geschaffen.“

Sozial- und Justizministerium Baden-Württemberg fördern das Projekt einer Kooperation von Universität Konstanz, vivo international e.V. und Freundeskreis Asyl Karlsruhe e.V..